TIMID TIGER
2009 ist „Electric Island“, das erste Album seit vier Jahren ist im gleichnamigen Studio in neuer Besetzung entstanden und weist auch musikalisch in eine neue Richtung. Mit Christopher Martin am Bass und Steffen „Steddy“ Wilmking verantwortlich für Schlagzeug und Produktion begeben sich Timid Tiger in neue Gefilde. Satter, reifer und deutlich elektronischer klingen die Songs, die nichts von den Tiger-typischen Crowd-Pleaser-Qualitäten eingebüsst und dennoch spürbar an Selbstbewusstsein und Fundament gewonnen haben. Die 12 Songs schlagen eine Brücke durch die vier Jahre der erzwungenen Schaffenspause. Vom kurzhosigen Singalong-Pop mit viel Piano („Electric Island“, „House Of Love“, „Gadget Girls“), reich an süchtig machenden Melodien, die kunstvoll arrangiert mal vom „Bab-Ba-Dah!“-Chor gesungen, mal vom Synthesizer produziert werden, über die fragile Singer-Songwriter-Ode („The Gardener“) bis zu einem Timid Tiger, der mit beiden Füßen auf dem Dancefloor Bodylocks zeigt, schwer von der R‘nB-Muse abgeknutscht („Palm Beach Bar“, „Ghost Town“).
Dass Timid Tiger sich in der Vergangenheit mit viel beachteten Remixes und Mash-ups die Zeit vertrieben haben zeigt sich in den „fetten Beats“ der Produktion als auch in einer neugewonnen Perspektive. „Wir haben mit der Umbesetzung und dem Bau des eigenen Studios viel an Freiheit in der Arbeitsweise gewonnen“, erklärt Keshav. Nachdem über die Tiger-Versionen von Britneys „Womanizer“ und L. Kravitz‘ „Are you gonna go my way“ selbst New York Times und die sonst selten überschwängliche Washington Post lobhudelten, entschied sich die Gruppe zu einer Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Blog „Prettymuchamazing“, die „PMA.EP“ enthielt bereits neue Songs als auch Remixe und verbreitete sich als Gratis-Download im Netz. So erschloss sich die Band ein neues Publikum: Die „PMA.EP“ wurde mehr als 30.000 mal runtergeladen.
In einer Art Credo halten die fünf ihre künstlerische Perspektive folgendermaßen fest: „Wir wollen nicht spalten, sondern zusammenführen. Die Genres und Styles werden neu gemischt, zerlegt, gerecht verteilt, ergänzt und dann wieder zusammengesetzt. Ausgewählte Live Drums und fette Beats, elektrische Saiteninstrumente und knackig-knarzige Bässe. Eine Handvoll analoger Synthesizer und fiepende Keyboards. Von allem etwas.“ Die launige Mischung hat aus dem juvenilen Pop-Kätzchen ein clubtaugliches Tigertier gemacht. Das nächste Kapitel in der zu schon Ende geglaubten Geschichte von Timid Tiger jedenfalls beginnt großartig. Eine Band findet sich neu und kämpft sich kraft ihrer Qualität wieder nach vorne.